Ή στραβός είναι ο γιαλός ή στραβά αρμενίζουμε
22.02.2018

Michail Khazin: Kurze Beschreibung des Hauptproblems der Eliten des “westlichen” globalen Projekts

Краткое описание главной проблемы элиты “Западного” глобального проекта -- Von Michail Khazin (übersetzt von Russophilus)

Michail Khazin
Foto: bitterbananas.com

Краткое описание главной проблемы элиты “Западного” глобального проекта

 

Von Michail Khazin (aus dem Russischen übersetzt von Russophilus)

 

 

Es ist ziemlich offensichtlich geworden, dass sich die Gräben zwischen den Welteliten vertieft haben. In den USA und der EU liegt es bereits völlig offen, aber auch in China und anderen Bereichen steht es wahrlich nicht zum Besten. Wir haben auch in unserem think tank (Stiftung) begonnen, politische Analysen zu den Ereignissen zu erarbeiten und es ist erbaulich (zu sehen) wie sich alles entwickelt.

 
Über Russland werde ich nicht einmal sprechen; es ist wirklich schlimm und es riecht zunehmend nach Bürgerkrieg (wie er in der Ukraine bereits begonnen hat). In diesem Text werde ich nicht beschreiben, in welche Gruppierungen die Weltelite sich aufgespalten hat, sondern was ihre Interessen sind und den Mechanismus des Zerfalls.

 
Grundsätzlich: Diese Elite ist nicht etwas ausgesprochen Gutes [A.d.Ü.: klassischer Elite Begriff, vermutlich pervertier und geprägt durch sie selbst] sondern eine Gruppe von Leuten, die Entscheidungen über das Schicksal von Gesellschaften [A.d.Ü.: im Sinne des staatlichen Phänomens] treffen können. Die Grundlagen (Besitz und Vermögen, Zugriff auf oder administrative und militärische Macht, usw), die sie in diese Position versetzen, mögen anfänglich unterschiedlich sein, verbinden und mischen sich aber im Laufe der Zeit; das Hauptkriterium aber ist jedenfalls Entscheidungsmacht.

 

Darüber hinaus erwartet die Gesellschaft ein unerfreuliches Schicksal, bis hin zum Bürgerkrieg, wenn es keine Einigkeit [A.d.Ü.: innerhalb der Elite(n)] bezüglich der strategisch wichtigsten Entscheidungen gibt. Es gibt etliche Beispiele für diese dunklen Zeiten, wie die bourgoise(n) Revolution(en) vom 17. bis 19. Jahrhundert, die 30er Jahre in der UDSSR, die Unruhen und Kämpfe in den Republiken in der der Wendezeit der 90er, usw, usf. Da man solche Szenarien gerne vermeidet, schafft die Elite immer [A.d.Ü.: die Grundlagen für] mehrere entscheidend wichtige Mechanismen. Der erste ist ein System der Koordinierung. Insbesondere im “westlichen” globalen Projekt gibt es viele solche Einrichtungen: Der notorische Bilderberger-Club, die Trilaterale Kommission und die IWF (für ausschließlich wirtschaftliche Fragen) sowie zahlreiche andere Clubs und Organisationen. Dass diese primär als Kräfte [A.d.Ü.: und Instrumentarien] gegen die Sowjetunion geschaffen wurden und in der heutigen Situation nicht gut funktionieren, ist eine andere Sache aber es sind gute Beispiele. Vereinfacht ausgedrückt, kann man [A.d.Ü.: dort, in diesen “Clubs”] gut miteinander reden, solange die Frage sich um die Aufteilung des Kuchens dreht. Wenn es aber darum geht, wer das letzte Stück bekommt, wobei dann die anderen verhungern, kann das zu ernsten Problemen führen. Im Grunde läuft es (derzeit) eben darauf hinaus, dazu aber später mehr.

Die zweite Einrichtung [A.d.Ü.: “Instrument”] ist Propaganda. Sie übermittelt den Eliten-Konsens so und damit keine ersthafte Stimmung [A.d.Ü.: in der Bevölkerung] dagegen entsteht. In der Tat ist ein Hauptanliegen dabei, die “Anti-Elite”, also jenen Teil der Gesellschaft, der grundlegend unzufrieden mit der bestehenden Ordnung ist, abseits und kontrolliert und ohne Unterstützung zu halten.

 

Das dritte Instrument ist Sicherheit, will heissen, ein Apparat zur Unterdrückung potentieller anti-elitärer Gruppen und Bewegungen. Es wirkt auf jeden und auf verschiedene Arten, um abweichende Sichten zu unterdrücken, von “weich” (in den USA z.B. können potentielle Abweichler keine Karriere machen) bis hart. Und in nahezu allen Ländern gehören “politische Killer” zum System, um für gefährlich gehaltene “Aufrührer” physisch zu eliminieren. Die Schaffung einer solchen Systemeinrichtung können wir in der Ukraine aktuell erleben, in den USA wirkte gegen Ende des 19. Jahrhunderts z.B. die Pinkerton Agency als wichtiges Instrument und (heute) reicht der Arm entsprechender Instrumente (der USA) weit und bis in viele Länder.

 
Es ist übrigens bemerkenswert, dass das zweite und dritte Instrument nur verfügbar sind, wenn es innerhalb der Elite einen Konsens bezüglich der Entwicklung eines Landes gibt. Wenn es einen solchen Konsens nicht gibt, dann entgleist das System. Heute können wir das in den End-80ern und den frühen 90er Jahren erkennen. Unsere [A.d.Ü.: russische] Elite hat im neuen Jahrtausend erkannt, dass nur Sicherheit nicht ausreicht und man auch eine positive Ideologie braucht. Allerdings misslangen alle Versuche, eine solche zu schaffen, ohne das sehr korrupte und oligarchische System anzugehen – Versuche, einzelne Elemente der Ideologie des Sowjetsystems neben/in einem wilden Kapitalismus wieder einzuführen, bewirkten nichts ausser die Bevölkerung zu irritieren. Das aber, was die Bevölkerung wirklich eint [A.d.Ü.: und Anklang findet], nämlich die Rückbesinnung auf eine imperiale, patriotische Strömung, bedroht die Existenz der derzeitigen russischen Eilte, die damit in Streit mit der Elite des westlichen Projekts gerät.

 

Man beachte auch, dass während die Krise in unserem Land [A.d.Ü.: Russland] mit einer Bruchlinie zwischen Elite und Gesellschaft verknüpft ist, so ist sie kaum ein Problem für die Elite in den wesentlichen westlichen Ländern, in denen die Gesellschaft so entmündigt wurde, dass man stillhält, solange nur eine gewisse Grundversorgung mit Gütern und Leistungen vorhanden ist. Natürlich wird man sich mit Fortschreiten der Krise an seine Rechte erinnern, aber hier betrachten wir die heutige Situation und nicht die von morgen. Heute liegt das Problem woanders.

 
In den Jahrzehnten ihrer friedlichen Existenz wuchs das westliche Elite Projekt und spezialisierte und breitete sich immer weiter aus dank der ständigen “Pumpergebnisse” [A.d.Ü.: z.B. Börse, us$, etc], die der westlichen Elite ermöglichte, all die Vermögen der Gesellschaft zu ihren Gunsten umzuverteilen. Das einzigartige Forschungssystem der 30er bis 80er jahre wurde praktisch zerstört (so verschwanden z.B. die “Sowjetologen” fast vollständig) und sie wurden in verschiedener Hinsicht reine Bildungsbüros, die nicht das Recht (noch die Zeit und die Gelegenheit) haben, wirklich soziale Probleme zu diskutieren. Im Bereich Wirtschaft kann man es leicht sehen; das “einzige korrekte Modell” dominiert, obgleich es grundsätzlich nicht erklären kann, was in der Welt geschieht.

 

Aber die Prozesse in der Wirtschaft machen (objektiv betrachtet ganz typisch) die Existenz der derzeitigen Elite in der Wirtschaft sowohl im Hinblick auf die Anzahl wie auch auf deren Zusammensetzung gänzlich unmöglich. Und sie brauchte sehr lange, das zu verstehen, weil die Spezialisierung es unmöglich machte, die komplexen Konstellationen in der Welt zu verstehen (Erinnern Sie sich, die Elite ist es, die Entscheidungen trifft. Spezialisierung ist in diesem Kontext der Entscheidungsspielraum gegenüber bestimmten Gruppen und Bereichen).

 
Die wirklichen Probleme begannen in den frühen 90ern und sie wurden unumkehrbar in der Mitte der 8-jährigen Amtszeit Präsident Clintons. Zum Ende (seiner Amtszeit) hin erreichten die Probleme das Ausmaß der frühen 30er Jahre (erinnern Sie sich, dass wir die Schlussfolgerungen zur Unvermeidbarkeit der Krise auf der Grundlage des Im- und Export (Un)Gleichgewichts der USA 1998 machten!). Seither hat sich die Lage nur verschlimmert. Und beim Versuch, die jetzige Krise zu vergleichen, stellen wir fest, dass es schlicht keine Analogie gibt. 1945 ist ungeeignet dafür, da es unter externer Kontrolle war.

 

Das klare Verstehen, dass es nach der Krise nicht genügend Platz für alle Mitglieder der heutigen Elite geben würde, kam nach der Strauss-Kahn Affaire, die ein Analog zum Oktober 1917 war. Lassen Sie mich daran erinnern, dass die Revolution am 25. Okt. 1917 per se keine besonderen Auswirkungen hatte, dass aber die Unzufriedenheit der bisher herrschenden Elite zum Bürgerkrieg führte, der dann in die große sozialistischen Oktober-Revolution mündete. So sind wir heute, vergleichsweise ausgedrückt, in der Situation Ende 1917, als die Revolution stattgefunden hatte, aber der “heisse” Krieg noch nicht begonnen hat.

 

Natürlich kann man das den Bürgern in Syrien und im Jemen nicht erklären, aber die Bürger des wesentlichen Länder des “westlichen” Projekts haben sich nie sondern geschert um die “Wilden”. Die andere wesentliche Sache ist, dass im Fall Strauss-Kahn die wichtigsten Nutzniesser der globalen Elite der letzten Jahrzehnte, die Finanzelite, vom Haupt Futtertrog ausgeschlossen waren. Und diese werden sich unweigerlich auf einen Krieg vorbereiten, denn sonst würde ihr Anspruch auf einen Platz in der globalen Elite an objektiven Faktoren scheitern – wie der Unfähigkeit, weiterhin unvermindert [A.d.Ü.: Finanzprodukte und Derivate] auszustoßen. Über die spezifischen Eigenheiten dieses Prozesses (besonders in den USA) habe ich wiederholt geschrieben und werde es also hier nicht wiederholen.

 
Die Hauptsache ist etwas anderes: Wie können die Mechanismen der Ideologie und Systemsicherheit mehr oder weniger funktionieren, wenn es innerhalb der Elite keine Einigkeit gibt? Wenn einige Teile einen brutalen Kampf beginnen? Das Propaganda System kippt in solchen Situation in einen simplen “Freund – Feind” Modus anstelle mehr oder weniger komplexer, wenn auch ideologisch einseitiger Analysen; etwas, das wir als Teil der amerikanischen Ukraine Propaganda sehen. Psaki [A.d.Ü.: ehem. Sprecherin des US Aussenministeriums] z.B., die wieder und wieder eine klare und simple [A.d.Ü.: “schwarz-weiss”] Position verkündet:

Poroschenko ist “unser Mann” und also hat er immer recht. Punkt. Die Situation ist nahezu weltweit ganz ähnlich.

 

Hier gibt es aber auch ein Problem. Russland-Hass ist tief verwurzelt in der der US Elite und so ist klar wer die “anderen” sind und wer die “unseren” (die, die gegen Russland agieren). Aber was ist mit dem Nahen Osten? Da ist die Spaltung der US Elite bereits offensichtlich. Und dann die wirklich erheiternde Situation in der EU. Jene, die schon bemerkt haben, dass es in den USA auf lange Zeit keine Pläne für eine unabhängige EU gibt, versuchen der “Freund”-Umklammerung der USA zu entkommen und werden intensiv in die Ecke der “Russlandfans” gedrängt. Es war ein starker Zug der US Propagandamaschine, “gegen die US Herrschaft” als gleichwertig mit “für Russland” zu etablieren und heute funktioniert das auch noch – morgen aber wird es sich umkehren. Ein weiterer Punkt ist, dass es (morgen) schlicht niemanden geben wird, der antwortet.

 

Nun ja, soweit ging es nur um Ideologie – wie sieht es im Bereich Sicherheit aus? Die (Leute im Sicherheitsapparat) werden sich, wie wir bei der UDSSR/Russland gesehen haben, Geschäften zuwenden. Und das Funktionieren des Sicherheitsapparats wieder herzustellen wird sich in dieser Situation als schwierig, wenn nicht unmöglich erweisen. Für ein funktionierendes Sicherheitsinstrument wird eine einheitliche, klare und zusammenhängende Ideologie gebraucht und eine halbwegs konstruktive Grundlage. Nur: Was kann heute konstruktiv sein?

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Hauptproblem der modernen Elite des “westlichen” Projekts darin liegt, dass die interne Spaltung zwei wesentliche Mechanismen jedes Staates zerstört: Die System-Ideologie und das System der politischen Sicherheit. Und das bedeutet, dass die Länder dieses Projektes sich unweigerlich in einem Szenario finden werden, das mit dem von Russland in den Jahren 1917 – 1920 oder auch den 90er Jahren entspricht.

 

(Anmerkung des Übersetzers (Russophilus): Anders als sonst, wo ich mich stark am Wortlaut des Originals orientiere, habe ich mir hier eine gewisse, wenn auch maßvolle Freiheit bei der Übersetzung genommen. Der Grund ist einfach, dass sowohl russisch (als Sprache) wie auch russische Akademiker in anderen Mustern ticken als wir hier, dass es um ein Gemenge aus politischen und ökonomischen Perspektiven geht, dass ich obendrein nur sehr begrenzte wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse habe und dass M. Khazin brillant aber auch komplex denkt und obendrein davon ausgeht, dass gewisse Grundmuster, Kenntnisse, Perspektiven und “Schwingungen” als (seinem Publikum) bekannt vorausgesetzt werden können, was hierzulande keineswegs weitgehend zutrifft und also eine Transpositionsleistung über die bloße Übersetzung hinaus erforderlich macht – was ich gerne getan habe, weil ich ins Khazins Sicht zwar nicht als die relevante schlechthin, aber allemal als eine hellwache, kenntnisreiche und sehr intelligente betrachte, aber auch, weil Khazin in Russland zu den respektierten Größen seines Gebiets (und durchaus auch bei Abstechern zu politischen Überlegungen) gehört und beträchtlichen Einfluss hat.)

 

Quelle: vineyardsaker.de/analyse/michail-khazin-kurze-beschreibung-des-hauptproblems-der-eliten-des-westlichen-globalen-projekts/ (mit substantiellen Leser-Kommentaren)


Rubrik: Geopolitik/Γεωπολιτικη
10.05.15
 von Michail Khazin

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