Ή στραβός είναι ο γιαλός ή στραβά αρμενίζουμε
21.06.2018

Papa Ratzi: Biedermann und Brandstifter

Da wollte der Papst, im Kreise seiner Gleichgesinnten, Merkel, Stoiber und Co und hochgepuscht vom organisierten Jubel in seiner bayerischen Heimat, einmal Tacheles reden. Und ist ins Fettnäpfchen getreten

von Emmanuel Sarides

 

So hinterlistig wie sein Vorgänger sieht er nicht aus, der Papst, eher schon wie ein ziemlich gestresster Biedermann, der sich bemüht, der Würde seines Amtes gerecht zu werden. Umsonst, denn das kostet Nerven und das sieht man ihm im Gesicht an, wenn er versucht, cool zu erscheinen und dabei oft schweißtriefend da steht - oder sitzt - nichts da von der „Güte“, die der polnische Schlaufuchs Johannes Paul II. ausstrahlte, eine Figur, die eher zu bedauern ist. Und doch will uns dieser bayuvarische Pontifex, als ein guter Opa, auf seinen Schoß nehmen und uns Geschichten erzählen, über das, was „über den Wolken, wo die Freiheit grenzenlos ist“, so alles passiert: Über die Jungfrau Maria, den allmächtigen Gott, den Gottessohn, und damit uns überzeugen, an diese vormittelalterliche Figuren zu glauben, zu glauben, denn der Glaube, so der Papst, ist mittlerweile eine Mangelware geworden.


Natürlich wollen wir hier nicht vom Glauben erzählen, weder vom orthodoxen, noch vom budistischen und auch nicht vom katholischen Glauben. Was den Letzteren anbetrifft dürfte eigentlich die Aussage von Prof. Horst Herrmann (1970 Professor für katholisches Kirchenrecht an der Universität Münster und nach dem Entzug seiner Lehrbefugnis durch die deutsche Bischofskonferenz 1975 Professor für Soziologie) reichen, der in einem Interview mit Peter Wolter in der „Junge Welt“ vom 15.09.2006 den Katholizismus als die „infantilste Religion“ überhaupt bezeichnet hat (das Interview im Wortlaut unter. Nein, uns interessiert hier das, was der weltliche Stellvertreter dieses Katholizismus, Papst Benedikt XVI., bürgerlich Joseph Ratzinger,  in vielen Zeitungen des In- und Auslands Papa Ratzi genannt, bei seinem Besuch in Bayern über den Islam sagte. Allegorisch zwar, aber voll in der Rolle eines modernen Kreuzritters und in bester Harmonie mit einem anderen Kollegen, den Präsidenten der USA George Bush. Er benutzte zwar ein Zitat aus byzantinischen Zeiten, wonach der Islam eine Religion der Gewalt sein soll. Im modernen Vokabular würde man sagen, das Böse schlechthin. Und die Muslime, oder Islamisten, wie man sie hierzulande zu nennen pflegt, Islamofaschisten, die man zu bekämpfen – oder zu bekehren hat.

Nun zum Fall: Da hatte also der Papst an der Regensburger Universität eine Vorlesung über «Glaube, Vernunft und Universität - Erinnerungen und Reflexionen» gehalten, bei der es um das Verhältnis von Glaube und Vernunft ging. Dabei holte der gute Papst ziemlich weit aus, denn er ging bis auf den byzantinischen Kaiser Manuel II. Paläologos zurück, der 1391 im Winterlager zu Ankara mit einem gebildeten Perser über Christentum und Islam und  über das Verhältnis von Religion und Gewalt palavert haben soll. Wobei der Kaiser zum Perser sagte: «Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten ...Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider.»

Ja, Blut vergiessen ist schlecht. Aber offensichtlich gut, wenn es aus den Leibern niedergemetzelter Irakis, Palästinenser oder Libanesen fließt, doch daran dachte Benedikt XVI. bestimmt nicht. Denn er meinte es anders, als die angebliche tödliche Bedrohung der Christen durch die Islamisten. Wie gesagt, Papa Ratzi ist kein guter Diplomat wie Paul II., er ist ein Bayer und sagte, was er auch dachte. Was ja eigentlich ganz gut ist, hier aber ganz schlecht, denn Papst sein ist ein Beruf, der mit Politik zu tun hat und kein akademisches Lehramt, wo man unter Gelehrten über Dreifaltigkeit und andere Magien aus grauer Urzeit disputieren kann. Und so kam es, dass seine Äußerungen in der islamischen Welt eine Welle der Entrüstung auslösten. Die islamische Konferenzorganisation OIC, der 57 muslimisch geprägte Staaten angehören, warf dem Oberhaupt der katholischen Kirche eine "Verleumdungskampagne" gegen den Islam und den Propheten Mohammed vor. In den verschiedenen islamischen Ländern sprachen Religionsvertreter am Freitag von Beleidigung und Gotteslästerung und forderten eine Entschuldigung Benedikts XVI. In Ägypten wurde zu Protestkundgebungen aufgerufen.

Proteste auch in der Türkei. Die Ansichten des Papstes zu Gewalt und Vernunft in Bezug auf den Islam seien «einseitig, voreingenommen, feindselig und provozierend», sagte der Präsident des Religionsamtes der Türkei, Ali Bardakoglu, dem türkischen Nachrichtensender NTV. Er erwarte, dass Benedikt XVI. seine Worte in aller Kürze zurücknehme und sich entschuldige. Und er fügte hinzu: «Zunächst einmal sollen sie (seine Äußerungen) die Dreifaltigkeit Gottes erklären. Sie sagen, dass Jesus Gottes Sohn sei. Wie ist das mit der Vernunft in Einklang zu bringen?». Auch in der türkischen Presse hagelte es Kritik: «Taktloser Papst» schrieb das Massenblatt «Sabah» auf seiner Titelseite. Vor seinem Türkei-Besuch habe der Papst «hasserfüllte, auf den Propheten Mohammed zielende Äußerungen eines byzantinischen Kaisers zu einem aktuellen Thema gemacht». Und das Blatt „Vatan“ sprach von einem «großen Schnitzer» des Papstes“, während die gemäßigt-konservative „Zaman“ wertete sie als einen «gefährlichen Kommentar des islamischen Glaubens ». Mit seinen Äußerungen habe er «die Muslime betrübt und die Vorurteile in der deutschen Gesellschaft verstärkt».

Auch führende Muslime in Deutschland reagierten verärgert. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte dem Berliner «Tagesspiegel», es falle ihm schwer zu glauben, «dass der Papst gerade im Verhältnis zur Gewalt die Grenze zwischen Islam und Christentum sieht». Schließlich sei auch die Geschichte des Christentums blutig gewesen - «man denke nur an die Kreuzzüge oder die Zwangsbekehrungen von Juden und Muslimen in Spanien».

Armer Papa Ratzi. Im Kreise seiner Gleichgesinnten, Merkel, Stoiber und Co und hochgepuscht vom organisierten Jubel in seiner bayerischen Heimat, wollte er einmal Tacheles reden. Und ist ins Fettnäpfchen getreten. So ein Pech aber.


15.09.06
 von Emmanuel Sarides

Drucken        Hoch