Ή στραβός είναι ο γιαλός ή στραβά αρμενίζουμε
21.06.2018

Die USA wollen Russland ruinieren

Die Dämonisierung des Präsidenten Wladimir Putin im Westen ist dem US-amerikanischen Russland-Experten Stephen F. Cohen zufolge die Rache für Washingtons gescheiterten Plan, Russland zu unterwerfen

"Als nächstes wird der Staatsmann billige Lügen erfinden, die die Schuld der angegriffenen Nation zuschieben, und jeder Mensch wird glücklich sein über diese Täuschungen, die das Gewissen beruhigen. Er wird sie eingehend studieren und sich weigern, Argumente der anderen Seite zu prüfen. So wird er sich Schritt für Schritt selbst davon überzeugen, dass der Krieg gerecht ist und Gott dafür danken, dass er nach diesem Prozess grotesker Selbsttäuschung besser schlafen kann." Mark Twain - 'Der geheimnisvolle Fremde'
Bild:antikrieg.com
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von Franz Krummbein

 
Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen haben sich nach dem Februar-Umsturz in der Ukraine dramatisch verschlechtert. Westliche Staaten haben den Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch und die von der Opposition gestellte Regierung anerkannt, jedoch nicht das darauf gefolgte Referendum auf der von Russischsprachigen dominierten Schwarzmeerhalbinsel Krim, die im März eindeutig für eine Wiedervereinigung mit Russland stimmte. Nach dem Russland-Beitritt der Krim verhängten die USA und die EU in vier Stufen politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Russland konterte mit einem Einfuhrverbot für eine ganze Reihe von Lebensmitteln.

 
US-Experte: Medien dämonisieren Putin

 
Nicht Putin habe die Ukrainekrise ausgelöst, sondern der Wunsch der USA, die Ukraine in die Nato zu holen, meint der Russlandforscher Stephen Cohen. („Wir schlittern in einen Krieg“ // „Die Tageszeitung”)

http://www.taz.de/!137733/

 

Die Dämonisierung des Präsidenten Wladimir Putin im Westen ist dem US-amerikanischen Russland-Experten Stephen F. Cohen zufolge die Rache für Washingtons gescheiterten Plan, Russland zu unterwerfen. Diese Auffassung äußerte der Professor auf einer Konferenz an der New Yorker Columbia University über die Rolle der Medien in den russisch-amerikanischen Beziehungen.

 
Nach seinen Worten werden von den Medien die Ereignisse in Russland in den vergangenen 20 Jahren weniger objektiv als in Zeiten des Kalten Kriegs beleuchtet. Die Berichte seien allzu ideologisiert und hängen von der offiziellen Position Washingtons ab, stellte Cohen fest. „Unbewiesene Behauptungen, unbegründete Urteile und zweifelhafte Pauschalisierungen in Bezug auf Russlands Geschichte und Politik werden als absolute Wahrheit dargestellt“, kritisierte der Experte.

 
„Seit den frühen 1990er Jahren richteten sich die Medien nach der Meinung der Clinton-Administration und stellten Boris Jelzin als Führer dar, der die Bewegung zur Schaffung eines solchen Russlands verkörperte, wie man es in Amerika sehen wollte“, betonte er. „Wie Cheerleader begrüßten unsere Reporter alles, was der Kreml damals unternahm. So löste er 1993 das legitim gewählte Parlament unter Gewaltanwendung auf, ordnete die Medien den Interessen der Oligarchen unter, fälschte die Ergebnisse der Präsidentenwahl 1996 und löste einen Krieg in Tschetschenien aus. Das alles wurde von den US-Medien als `russische Demokratie in Aktion´ dargestellt.“

 
Dabei seien Dinge wie das „wilde Plündern der Staatskasse unter dem Vorwand der Privatisierung“, die Entstehung eines kleinen Kreises von Oligarchen, der Zusammenbruch des Sozialsystems, die dadurch verursachte Verarmung der Bevölkerung und die grassierende Korruption übersehen worden, konstatierte Cohen. Das alles habe als „normal für die Übergangszeit in Russland“ gegolten. Jelzin sei zum unentbehrlichen Demokraten und Reformer erklärt worden, obwohl er sich mit „Dieben und Gaunern“ umgeben habe, lange bevor dieser Begriff vom Enthüllungsblogger Alexej Nawalny eingeführt wurde, ergänzte der Professor.

 
US-Journalisten seien in den vergangenen Jahren nicht gerade professioneller geworden, aber Wladimir Putin werde jetzt für alles kritisiert, wofür Jelzin früher gefeiert worden sei, fuhr Cohen fort. „Jetzt heißt es, Russland hätte unter Putin die Demokratie abgeschafft. War der Panzerbeschuss des Parlaments demokratisch?“ Falsch sei auch, dass die Ermordung von Journalisten in Russland ein Merkmal der Putin-Regierung sei. In der Amtszeit Jelzins seien mehr Journalisten als in der von Putin getötet worden, sagte er unter Berufung auf das Komitee für Journalistenschutz.

 
Das Verhalten der US-Medien gegenüber Putin bezeichnete Cohen als „Dämonisierung“. Für die Amerikaner sei er für alle Sünden verantwortlich, die unter Jelzin begangen worden seien. In der „Washington Post“ sei Putins Team vor kurzem als „korrupt und böse“ bezeichnet worden, erläuterte er. Dabei sei aber Russlands wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung unter Putin übersehen worden. Je mehr der Westen den russischen Präsidenten dämonisiert, desto höher steigt sein Kurs auf der Beliebtheitsskala seiner Landsleute. Dort kommt er nach den verschärften Sanktionen inzwischen auf Zustimmungswerte jenseits von 80 Prozent. Nur zum Vergleich: Der britische Premier David Cameron schafft es bei seinen Landsleuten auf 30 Prozent, Frankreichs Staatspräsident François Hollande gilt mit nur noch 18 Prozent Zuspruch in seiner Heimat als Totalversager, ergänzte der Professor.

 
Wikipedia meint:  Stephen Frand Cohen (1938) ist ein US-amerikanischer Professor, der sich hauptsächlich mit Russland und der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution sowie den Beziehungen der USA zu diesen Staaten beschäftigt. Er lehrte in Princeton bis 1998 und danach an der New York University in New York City. Seine Vorlesung in New York trägt den Titel: Russland seit 1917.

 
USA sind für drei Viertel der Russen Feind Nummer eins

 
Die USA wollen Russland als Staat ruinieren und nutzen Europa in diesem Sinne aus, wie ein französischer Wirtschaftswissenschaftler Autor geäußert hat. Vom Ausbau des Nato-Zuständigkeitsbereiches profitiere vor allem Amerika, während Europa seine Würde verliere, so die Kritik.
Attali schreibt in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Politika“ (Belgrad), die Nato sei nach dem Zerfall der Sowjetunion praktisch arbeitslos geworden. Europa habe damals Zweifel daran bekommen, ob es sich weiterhin lohne, so viel Geld für die Nato auszugeben. Und der zunehmende Handel zwischen Europa und Russland habe den USA Sorgen gemacht.

 
„Um die Nato zu retten, wurde eine neue Strategie verabschiedet. Kurz gesagt war ihr Sinn wie folgt: Die Nato (lies: die USA) soll ihren Einfluss und ihre Aktivitäten auf den ganzen Erdball ausbreiten, weil dies den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten entspricht“, schreibt Attali.

 
Russland sei mittlerweile stärker geworden und habe eine unabhängige Haltung zu Syrien, dem Iran und der Ukraine demonstriert. Damit habe Moskau nach Ansicht der USA und der Nato die Grenze des Erlaubten überschritten, so der Kommentar. Der jüngste Nato-Gipfel in Wales habe politisch eine „neue Sicherheitsbedrohung durch Russland“ festgestellt. Die Nato wolle ihre Militärausgaben erhöhen, alle militärischen Kontakte mit Russland kappen, neue Stützpunkte in Osteuropa einrichten, eine neue Eingreiftruppe aufstellen, den Aufbau des Raketenschilds in Europa intensivieren und die Militärpräsenz in der Arktis ausbauen.

 
Wirtschaftlich wolle der Westen der einstigen Strategie von Ronald Reagan folgen. Diesmal betreffe das vor allem die Gasbranche. Das russische Pipeline-Projekt South Stream stoße auf Widerstand, die Lieferung von Bohrtechnik an Russland sei zum Teil gestoppt worden, Europa werde unter Druck gesetzt und zu weiteren Sanktionen gegen Russland bewogen.

 
 „Die USA sind zu einer neuen Strategie gegen Russland übergegangen. Dies zielt darauf ab, seinen derzeitigen politischen und Staatsaufbau zu schwächen und dann zu ruinieren, Russland als Rivalen loszuwerden, um seine Reichtümer (vor allem im Energiebereich) unter Kontrolle zu stellen“, so Attali.

 
Der Anlass für all diese politischen, militärischen und wirtschaftlichen Maßnahmen sei die Ukraine-Krise. Zerstörte Städte, absolute Armut, Ruinen anstelle von Schulen, Kindergärten und Kirchen, Wohnhäuser mit Spuren von Beschießungen… So sieht heute der Südosten der Ukraine aus. Aber dieser Krieg bringe den USA und der Nato Vorteile und sei von ihnen eigentlich für diese Zwecke organisiert worden.

 
„Noch nie ist Europas Vorgehen so lakaienhaft gewesen. Zwar werden bei Tagungen und Beratungen Entscheidungen getroffen, die für die EU vorteilhaft sein sollen. Doch letztendlich wird so gehandelt, dass die USA (Nato) Vorteile bekommen“, so der französische Experte weiter. Wenn man gegen den eigenen Willen handle und sich selbst schade, verliere man seinen Stolz und seine Würde. Glücklicherweise gebe es in Europa noch Länder, deren Vorgehen nicht so kriecherisch sei.

 
„Einst waren die westlichen Länder ein Vorbild für Russland. Zar Peter der Große hatte ein ‚Fenster nach Europa‘ aufgestoßen. Das bedeutete eine Annäherung an die fortschrittlichen Errungenschaften in Kultur, Wissenschaft und Bildung. Doch nun begreifen wir allmählich, dass man bei weitem nicht alles übernehmen sollte“, schlussfolgert Attali.

 
Wirklich, vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise hat der Westen bei den Russen massiv an Sympathie verloren. Für fast drei Viertel der Russen sind die Vereinigten Staaten der Feind Nummer eins, für jeden zehnten die Europäische Union. Ein bedeutender Anstieg seit 2008: Damals lag der Anteil der Amerika-Hasser bei 25 Prozent.

 
Auch in den anderen europäischen Zeitungen tauchen Artikel auf, die man sich vor zwei bis drei Monaten noch nicht hätte vorstellen können.
„Viele Monate“, so schreibt der britische „The Daily Telegraph“, „dämonisierte der Westen Präsident Putin mit Hilfe solcher Figuren wie unter anderem dem britischen Prinzen Charles und Hillary Clinton (der früheren US-Außenministerin), welche ihn mit Hitler verglichen haben. Aber dabei besaßen sie keinerlei Vorstellung von dem, dass die ganze Krise durch die unvernünftigen provokativen Versuche angekurbelt worden war, die Ukraine in die EU zu absorbieren. So als habe sich keiner vorstellen können, dass Moskau den Versuch ohne Antwort lassen würde, die Wiege der russischen Identität zu verschlingen und sie ins Imperium Brüssels zu ziehen. Zusammen mit dem einzigen warmen Tiefseehafen Russlands auf der Krim, der an die Nato übergehen sollte.“
Wikipedia: Jacques Attali (1943) ist ein französische Wirtschaftswissenschaftler, Autor und hoher Beamter. Er war langjähriger Berater des französischen Staatspräsidenten François Mitterrand.

 
Obama verdrehe alle Tatsachen

 
Präsident Obama verdrehe alle Tatsachen, was die Ukraine betrifft, sagt ein anderer amerikanischer Historiker und Politikwissenschaftler - der Rundfunkmoderator Stephen Lendman.

 
„Washington und seine neonazistischen Partner in Kiew tragen die ganze Verantwortung für das, was jetzt in der Ukraine geschieht. Für alle Gewalt, für alle wirtschaftlichen Misstände. In der Ukraine wurde ein Staatsumsturz verübt. Und eben ihn unterstützt Obama. Unter den neuen (Kiewer) Freunden Obamas sind unzählige neonazistische Extremisten, absolute Nazi-Schläger, ausgesprochene antisoziale Elemente. Präsident Obama unterstützte in Kiew der Herstellung der Macht des Pöbels.“

 
Stephen Lendman lebt in Chicago. Er ist über lendmanstephen@sbcglobal.net zu erreichen. Ein neues Buch, an dem er als Herausgeber und Autor mitgewirkt hat, trägt den Titel "Flashpoint in Ukraine: US Drive for Hegemony Risks World War III" (Brennpunkt Ukraine: Die USA riskieren mit ihrem Streben nach Weltherrschaft den Dritten Weltkrieg, s.dazu auch http://www.claritypress.com/LendmanIII.html). Siehe da, es können doch noch Leute aus dem anglo-amerikanischen Raum vernünftig denken und eine eigene Meinung äußern!

 
Lendman betreibt den Blog http://sjlendman.blogspot.de/ und das unter
www.progressiveradionetwork.com/the-progressive-news-hour
gesendete Radioprogramm Progressive Radio News Hour.

 
Inzwischen nur 20 Prozent der Amerikaner unterstützen heute laut einer Gallup-Umfrage den politischen Kurs von US-Präsident Barack Obama. Eine niedrigere Unterstützung war lediglich 2006 registriert worden: Damals bewerteten nur 18 Prozent der Befragten die Politik des damaligen Präsidenten George W. Bush als positiv.


Rubrik: Balkan/Βαλκάνια
15.10.14
 von Franz Krummbein

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