Ή στραβός είναι ο γιαλός ή στραβά αρμενίζουμε
22.09.2018

Patriarch Kyrill in Diwejewo: Orthodoxe Versöhnung statt Krieg

Politiker kommen und gehen, die jahrtausendalte russisch-orthodoxe Kirche bleibt

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Foto: german.ruvr.ru

von Franz Krummbein

 

In der Geschichte Russlands wird sich kaum ein derartig erstaunlicher Ort wie das Diwejewo-Kloster finden lassen. Sein vollständiger Name lautet – Serafim-Diwejewo-Frauenkloster im Namen der heiligen Dreieinigkeit. Seine Entstehungsgeschichte ist völlig einmalig, denn sie wurde nicht von den Kirchenbehörden, nicht von bekannten und starken Männern, sondern von einer schwachen, schutzlosen Frau initiiert, die weder Titel noch Verdienste vor der Heimat besaß. Dennoch ist dieses nicht nach den kanonischen Regeln gegründete Kloster heute der bekannteste Pilgerort für russische Gläubige, besonders für Frauen.

Diwejewo wurde allein 2012 von 1,7 Millionen Pilgern besucht. Laut orthodoxer Überlieferung ist das Diwejewo-Kloster zum vierten Besitztum der Gottesmutter auf der Erde. Tausend Pilger aus aller Welt besuchen die Siedlung, um sich vor der heiligen Diwejewoerde und den Reliquien der Großen Starez Serafim zu verbeugen und in die Heilquellen zu tauchen.

Kurz bevor er starb, sah er all die leidvollen Ereignissen voraus, die folgen würden, und warnte vor ihnen. Er sagte, dass so großes Leid kommen werde und so viele Märtyrer, dass die Engel keine Zeit haben würden, all die Seelen zu sammeln.

Aber er sah auch, dass 70 Jahre später die Kirche wieder aufblühen würde. 1990 wurden seine Reliquien und persönlichen Gegenstände in Petersburg gefunden und nach Diwejewo gebracht. Heute leben 250 Mönchinnen in Diwejewo, die auf Geheiß des Hl. Seraphim das immerwährende Gebet praktizieren.

Um des Heiligen zu gedenken ist der russische Patriarch Kyrill nach Diweewo gefahren, wo im Serafimo-Diweewo-Kloster die Reliquie von Serafim von Sarow ruht. Der Patriarch hat da unter großer Ansammlung von Gläubigen einen feierlichen Gottesdienst zelebriert.

„Ich freue mich, dass ich mich mit Ihnen allen treffen und Ihnen persönlich für Ihren Mut danken kann.“ Mit diesen Worten wandte sich der Patriarch Kirill an die fast zehntausendköpfige Menge der Gläubigen.

Ein Starker Glaube und die Hoffnung auf das Bessere werden helfen, jegliche Schwierigkeiten zu überstehen, äußerte sich der russische Patriarch Kyrill zuversichtlich. Genauso dachte auch der russische Heilige Serafim von Sarow, dessen man am 1. August in der Russisch-Orthodoxen Kirche gedenkt.

Die Feierlichkeiten zu Ehren von Serafim von Sarow im Gebiet Nischni Nowgorod sind von einem großen Unglück überschattet. In der Ukraine geht der Bürgerkrieg.

„In diesem Moment rufe ich alle auf, die Hoffnung nicht aufzugeben. Mir ist es ganz bewusst, wie schwer es heute ist. Wenn wir unsere Hoffnung nicht aufgeben, werden wir die innere Kraft bekommen, dem zu widerstehen. Dieser Kraft muss immer der Glaube an Gott zugrunde liegen. Niemand weiß, warum der Mensch durch solche Leiden gehen muss. Das ist ein Geheimnis der Weltschöpfung", wandte sich das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche an die Einwohner.

Serafim von Sarow behauptete dass die Leidenschaften mit Hilfe von Leid und Trauer überwunden werden. Auch jetzt hat das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche aufgerufen, gerade zu dem Heiligen Serafim zu beten. Er wird für uns vor dem Altar Gottes beten. „Gott möge uns allen seine Gnade schenken", sagte Patriarch Kyrill.

Nach den Worten des Patriarchen muss man sich an Gott wenden, damit er die inneren Kräfte beibehält. Der Patriarch hat auch alle aufgerufen, den Kriegsopfern zu helfen.

 
Die Russische Orthodoxe Kirche ist nicht nur die Kirche Russlands: zu ihr gehört die Mehrzahl der Gläubigen in der Ukraine. Geistlich ist die Ukraine mit Russland immer noch eins. Zumindest durch die russische Orthodox-Kirche in der Ukraine wird der Glaube nicht politisiert. Der neue Kiewer Metropolit Onuphrius spricht sich für Versöhnung und Vereinigung der Orthodoxen als seine Hauptziele aus.

Politiker kommen und gehen, die jahrtausendalte russische Orthodox-Kirche bleibt. Dieser Meinung scheint auch der neugewählte Metropolit Onuphrius zu sein – und deswegen sind nicht alle in Kiew mit dieser Wahl zufrieden. Der neue Oberhaupt Onuphrius ist ein Mensch des Gebets. Er hat sich für die Einheit mit der russischen Kirche ausgesprochen. "Es ist mir zu schwer, dieses Kreuz auf mich zu nehmen", sagte Onuphrius, nachdem er von Bischöfen gewählt wurde und rief alle zu einem Mitgebet auf. Angesichts der gespannten politischen Situation, wird Onuphrius als Metropolit eine Ausgleichsrolle in der Ukraine spielen.

 Die ukrainische Kirche braucht die russische Kirche sehr. Man braucht einen theologischen Dialog mit Russland. Die Ukraine ist jetzt ein Land, wo keine theologischen Bücher geschrieben und nicht einmal gelesen werden. Wenn man solche schon liest, dann nur russische, weil es keine anderen gibt. Es herrscht ein tiefer Gedankenschlaf. Wann hat er angefangen? Wahrscheinlich als die Ukraine unabhängig geworden war, als es eine Linie zwischen der russischen und der ukrainischen Kirsche gezogen war. Es gibt ein ernsthaftes Problem, was das Ausbildungsniveau der Priester und Gläubigen angeht.

Die ukrainischen orthodoxe Gläubigen sind diesmal in Diwejewo auf Gebet wieder angekommen. Sie fuhren mit den Umgehungswegen, durch Weissrussland. Die Kiewer Behörden verfolgen die Pilgerfahrt zu Russland. Aber der Glaube ist stärker als die Angst!

Wie leben und was fühlen die Orthodoxen von Ukraine? Einige Pilgersmeinungen:

"Onuphrius ist eine Versöhnungspersönlichkeit. Für Menschen mit verschiedenen politischen und kirchlichen Ansichten. Onuphrius ist in Russland und in der Ukraine schon sehr bekannt. Mit ihm sind sehr viele Einverstanden. Ich habe den Eindruck, dass ihn viele unabhängig von politischen Ansichten respektieren. Egal ob man pro-russische Politik unterstützt oder eine von Russland unabhängige Kirche will. Man sieht ein allgemeines Einverständnis gegenüber Onuphrius." (Jelena aus Zhitomir).

Andere Gläubige, Marija aus der Stadt Tschernowitz, erzählt: „Ich selbst stamme aus Moldawien. In der westlichen Ukraine lebe ich schon 20 Jahre. Aber jetzt habe ich wegen der Krise keine Arbeit. Den letzten Monat habe ich zu Hause verbracht. als ich jedoch hörte, dass der Patriarch hier sein wird, da habe ich ein Ticket gekauft und bin hergekommen. Denn der Patriarch Kirill ist für uns alles: Gesundheit, Frieden, Freude und Hoffnung.“

Anna aus Luzk ist über 80. Sie kann kaum laufen und spricht fast nicht. Sie kann nur vor Freude weinen. „Großmutter wollte so sehr den Patriarchen sehen“, erklärte ihre Enkelin.

Wie hat sich nun das Leben der einfachen Menschen unter den neuen, schrecklichen Kriegsbedingungen verändert? Darüber erzählt Swetlana, Leiterin des Pressedienstes der Eparchie Gorlowka im Donbass:

„Es ist Krieg. Seit dem 21. Juli hat der Artilleriebeschuss des Stadtrandes begonnen. Seit dem 26. Juli steht auch das Stadtzentrum unter Beschuss. Die Geschosse treffen Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser, Geschäfte, Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel. Mehrere Geschosse detonierten neben orthodoxen Gotteshäusern, ein Geschoss traf das Gelände der Eparchie-Verwaltung Gorlowka. An den genannten Orten sind und waren keinerlei Stellungen der Volkswehr. Die Zahl der Toten und Verletzten erreicht viele Dutzende. In drei zentralen Schulen werden die Kinder im neuen Schuljahr nicht mehr lernen können.

Seit Einsetzen des Beschusses der Stadt verlassen die Leute massenhaft die Stadt, aber viele bleiben: Die Bevölkerung von Gorlowka macht ca. 270.000 Menschen aus. Die Stadt scheint wie ausgestorben, auf den Straßen begegnet man nur selten Passanten, einem Radfahrer oder Autofahrer. Die Leute verlassen nur im äußersten Notfall ihre Häuser und bemühen sich, schnell wieder nach Hause zu gehen. Die Wände der Plattenbauten schützen zwar nicht vor einem Volltreffer, doch die Wahrscheinlichkeit, von einem Geschosssplitter getötet zu werden, ist in Räumen geringer als auf der Straße. Ein Teil der Stadtbewohner ist in die Keller und Luftschutzbunker umgezogen. Viele Fenster sind über Kreuz zugeklebt (ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg), um zu verhindern, dass die Glassplitter durch die Gegend fliegen, sollte eine Druckwelle das Fenster zerstören.

Es gibt Spekulationen um die Brotpreise, die Preise sind ums Drei- das Vierfache gestiegen, denn die beiden Brotfabriken von Gorlowka mussten ihre Produktion einstellen, Brot wird aus den Nachbarstädten geliefert. In diesem Zusammenhang hat man in der Weihbrotbäckerei der Christi-Erscheinungs-Kathedrale begonnen, neben Weihbrot auch anderes Brot zu backen, das in die Krankenhäuser und anderen sozialen Einrichtungen der Stadt gebracht wird. Es wird auch unter jenen verteilt, die in der unteren Kirche der Kathedrale Schutz vor dem Beschuss gesucht haben.

In der Wasser- und Stromversorgung gibt es bei Beschuss Unterbrechungen, wenn Geschosse oder Geschosssplitter die entsprechende Infrastruktur beschädigt haben. Instandsetzungsbrigaden werden dann sofort eingesetzt, sobald es die Situation ermöglicht. Mancherorts gibt es am Stadtrand auch jetzt weder Wasser noch Strom.

Der Beschuss erfolgte hier nicht so oft wie in anderen Städten des Donbass, wo er zuweilen viele Stunden anhält. In Gorlowka verzeichnete man mehrere einzelne Salven aus Geschosswerfern des Typs „Grad“ oder aus Minenwerfern - und zwar mehrmals am Tag. Aber selbst dieser nicht so intensive Beschuss hat schon viel Unheil angerichtet. Man sagt, um die Stadt Gorlowka seien 40 Grad-Mehrfachgeschosswerfer in Stellung gebracht worden.

Wir alle wollen, dass so schnell wie möglich der Frieden wiederhergestellt wird. Aber ob sich unsere Erwartungen bewahrheiten werden, wird uns die Zeit zeigen. Früher oder später werden diese Verbrecher, die mit Raketen und Granaten auf Zivilisten schießen ihre Strafe bekommen!”


Rubrik: Religion/Θρησκεια
23.08.14
 von Franz Krummbein

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