Ή στραβός είναι ο γιαλός ή στραβά αρμενίζουμε
22.06.2018

Jürgen Elsässer: “Israel hat wie jeder Staat das Recht zur Selbstverteidigung”

Wer wie Jürgen Elsässer dem zionistischen Kolonialregime in Palästina ein “Selbstverteidigungsrecht” einräumt, eine “historische Verantwortung” unseres (des deutschen) Volkes gegenüber selbiges behauptet und die zionistischen Okkupanten im Westjordanland “schützen” möchte, der steht halt – in seinem Falle: immer noch – auf der “anderen Seite”

Jürgen Elsässer
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von Detlef Nolde

 

Jürgen Elsässer hat einst als Antideutscher und damit auch fanatischer Zionist von sich reden gemacht. Seit einigen Jahren betont er, aus dieser Szenerie ausgestiegen zu sein und andere Positionen zu vertreten, was viele bewogen hat, sich seiner “Volksinitiative gegen das Finanzkapital” anzuschließen.

 

Nachdem er nach meinem Austritt aus der DVU im Herbst 2009 Kontakt mit mir aufnahm und wir uns trafen, beschloß ich nach einigen Monaten, mir alles aus der Nähe anzusehen um für mich herauszufinden, ob dort tatsächlich die nationale und soziale Frage auf neuer Art und Weise verbunden wird.

 

Nachdem ich erkannt habe, daß es 1.) nicht um eigenständige politisch-organisatorische Arbeit sondern Zuarbeit für den Kai-Homilius-Verlag geht, an dem auch Jürgen Elsässer finanziell beteiligt ist und er 2.) seine Haltung zum Zionismus nicht grundlegend revidiert hat, trat ich dort wieder aus.

 

Diesem Schritt sind viele gefolgt, so daß die “Volksini” heute quasi nicht mehr existiert.

 

Um zu wissen, was Antizionismus ist, muß zunächst der Zionismus definiert werden:

Zionismus bezeichnet eine politische Ideologie und die damit verbundene Bewegung, die auf Errichtung, Rechtfertigung und Bewahrung eines jüdischen Nationalstaats in Palästina abzielen.

de.wikipedia.org/wiki/Zionismus

 

Demnach ist Anti-Zionismus eine politische Ausrichtung und Bewegung, die auf die De-Installation des “jüdischen Nationalstaats in Palästina” also des zionistischen Regimes, welches sich “Israel” nennt, abzielt.

 

Die sog. Zwei-Staaten-Lösung ist demnach nicht anti-zionistisch.

Ebensowenig das ledigliche kritisieren bestimmter Aspekte israelischer Politik unter gleichzeitiger Anerkennung des Existenzrechts “Israels”.

 

Was alles erlaubt ist an Kritik an zionistischer (=”israelischer”) Politik, hat die zionistische „Jüdische Allgemeine“, für die Jürgen Elsässer einst schrieb, einst abgesteckt:

Natürlich darf man Kritik üben. Aber dass man grundsätzlich Position für Israel bezieht, ist eine Selbstverständlichkeit. Probleme mit der Politik von Avigdor Lieberman, kein Verständnis für die Aktion gegen die Gaza-Flottille, Zweifel an der Siedlungspolitik? Über diese Themen kann man selbstverständlich diskutieren. Israels Existenzrecht und das Recht auf Selbstverteidigung stehen außer Frage. Das müssen wir immer wieder deutlich machen.

 

Jürgen Elsässer stellte am 17. Januar 2007 fest (2009 auf seinem Blog unkommentiert wiederholt), daß sich an seiner pro-zionistischen Haltung zu nichts geändert habe:

Ich habe vor etwa fünf Jahren aufgehört für die „Jüdische Allgemeine“ zu schreiben. Das hat nichts mit Nahost oder Israel zu tun.

jungle-world.com/artikel/2007/03/18923.html

 

Am 6. Dezember 2010 behauptet er eine “historische Verantwortung” der Deutschen gegenüber “Israel”:

Nichts hätte dagegen gesprochen, durch einen Redner aus Israel historische Verantwortung zu demonstrieren. Doch Cohen ist kein Vertreter der israelischen Friedensbewegung, noch nicht einmal der durchaus zionistischen Arbeitspartei – sondern er gehört zur Partei von Außenminister Avigdor Lieberman.

compactmagazin.wordpress.com/2010/12/11/rechtspartei-oder-volkspartei-elsassers-rede-auf-der-compact-premiere/

 

Am 11. Dezember 2010 kommt ein weiteres Detail an die Öffentlichkeit – O-Ton Jürgen Elsässer:

Dass man der jüdischen Opfer des Holocaust an der Klagemauer gedenkt und sich dafür der obliatorischen Kopfbedeckung bedient, ist natürlich nicht das Problem, das habe ich auch schon gemacht.

juergenelsaesser.wordpress.com/2010/12/11/der-rechtsextremismus-wird-zionistisch/

 

Elsässer eindeutig pro-”Israel” – 12. Dezember 2010:

Israel hat wie jeder Staat das Recht zur Selbstverteidigung.

juergenelsaesser.wordpress.com/2010/12/11/der-rechtsextremismus-wird-zionistisch/

 

Darüber hinaus forderte er am 22. Dezember 2010 den Schutz der zionistischen Okkupanten im Westjordanland:

Die jüdischen Siedlungen im Westjordanland sollten von international mandatierten Truppen geschützt werden.

juergenelsaesser.wordpress.com/2010/12/11/der-rechtsextremismus-wird-zionistisch/

 

In seiner Sorge um die “jüdischen Siedler” ignoriert er dabei geflissentlich UN-Resolutionen, womit er sich für illegale Okkupanten einsetzt:

UN-Resolution 465
(Siedlungen sind illegal)

Die Resolution 465 verurteilt die jüdische Besiedlung des besetzten Westjordanlandes und des Gazastreifens als ‹‹flagrante Verletzung der Vierten Genfer Konvention››. Der Bau jüdischer Siedlungen sei deshalb illegal.

 

Auf diese Resolution beziehen sich die Palästinenser, wenn sie die Evakuierung der jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten fördern.

www.freunde-palaestinas.de/page/info_08/un_resolutionen.pdf

 

Seine pro-zionistische Haltung wiederholte Elsässer am 25. Juni 2011:

Ich bin nicht für die Abschaffung Israels.

juergenelsaesser.wordpress.com/2011/06/25/rohm-putsch-bei-den-grunen/

 

Elsässer am 1. Dezember 2011, noch ganz der alte Philosemit:

Gegen Juden sagt auf diesem Blog hier niemand etwas, andernfalls fliegt er.

juergenelsaesser.wordpress.com/2011/11/29/neu-in-compact-israel-plant-den-erstschlag-gegen-iran/

 

Eine Konferenz für Meinungsfreiheit ist für Elsässer dann nicht angebracht, wenn sie Zionisten stört, wie seine Worte vom 4. Dezember 2011 belegen:

Ahmadinedschad hat besagte (Holocaust-)Konferenz zugelassen. Meines Erachtens ein schwerer Fehler.

juergenelsaesser.wordpress.com/2011/11/29/neu-in-compact-israel-plant-den-erstschlag-gegen-iran/

 

Die Berufung einiger als Linke firmierender Zionisten auf Molotow und Gromyko betr. Anerkennung des zionistischen Regimes durch die UdSSR, auch das von dem “Linken” Elsässer einmal als Argument für seine pro-”Israel”-Haltung erwähnt, macht durchaus Sinn, denn diese Sowjetpolitiker waren Einflußagenten des Zionismus:

 

Der Fall Israel

 

In einem Vortrag für die Stalin-Gesellschaft wurden Nachweise für die Behauptung erbracht, dass es Revisionisten in der Führung der KPdSU unter Führung von Andrej Gromyko, dem sowjetischen Vertreter bei den Vereinten Nationen und stellvertretender Außenminister, gelang, die sowjetische Außenpolitik zugunsten einer Teilung Palästinas zu manipulieren.

Aus: Albert Resis, Hrsg., ‘Molotow erinnert sich. Interne Kremlpolitik’, Chicago 1993

 

Zur Einschätzung Molotows:

Molotow unterlief Stalins Außenpolitik und setzte sich 1948 über den von ihm eingesetzten Andrej Gromyko in der UNO für die Anerkennung Israels als eigenständigen, zionistischen Staat ein, statt für einen gemeinsamen palästinenisch-jüdischen Staat, so wie von der sowjetischen Außenpolitik unter Stalin anvisiert. Molotows Frau pflegte herzliche Beziehungen zu Golda Meir, der ersten israelischen Ministerpräsidentin, und sprach sich bei ihrem Besuch in der UdSSR anerkennend über den neuen Staat aus; Molotows Frau wurde später aus dem ZK entfernt, einstimmig, bei einer ‘Enthaltung’ (Molotow);

(Quelle)

 

Prof. Israel Shahak über den zionistischen Charakter von „Arbeitspartei“ und „Friedensbewegung“ in “Israel”, mit denen Jürgen Elsässer offenbar neuerdings sympatisiert:

In den ersten beiden Jahrzehnten der Geschichte Israels waren die orthodoxen Zionisten der Arbeitspartei und ihre Vorläufer die bestimmende Kraft in der israelischen Gesellschaft. Ihr Bekenntnis zur Demokratie hielt sie allerdings nie davon ab, gemeinsam mit ihren rechten Gegnern die Palästinenser zu vertreiben und deren demokratische Rechte zu unterdrücken;

 

Die von den fortschrittlichen und weltlich orientierten jüdischen Arbeitern bevorzugten Parteien, wie die Arbeitspartei und Meretz, haben sich als unfähig erwiesen, eine Alternative zu der extremen Rechten zu entwickeln. Barak und Scharon – genau so wie Arbeits- und Likud-Partei – hatten immer mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen. Oder besser gesagt: sie hatten das gleiche strategische Ziel, unterschieden sich aber in der Taktik, wie es zu erreichen sei.

 

Dieses Wochenende haben mehr als 100.000 Menschen gegen Scharons Krieg in der Westbank und im Gazastreifen protestiert und „zwei Staaten für zwei Völker“ gefordert. Solche Proteste sind ein Anzeichen für wachsende Unruhe und Opposition in der jüdischen Bevölkerung angesichts der brutalen Unterdrückung der Palästinenser. Sie drücken die Hoffnung auf eine demokratische Lösung aus. Der Ausgangspunkt für die offizielle israelische Friedensbewegung war jedoch immer die feste Überzeugung, dass es notwendig sei, den zionistischen Staat zu erhalten.

 

Die Partei, die dieses Programm verkörpert, die aus „Peace Now“ hervorgegangene Meretz, und der linke Flügel der Arbeitspartei, mit dem sie zusammenarbeitet, vertreten die Ansicht, dass dies nur möglich sei, wenn den Palästinensern ein eigener Staat zugestanden wird. Sie betonen allerdings, dass die Grenzen eines Palästinenserstaats ausschließlich von Israels Sicherheitsinteressen bestimmt sein müssen, und sehen sogar Palästinenser, die in Israel arbeiten, als potenzielles Sicherheitsrisiko an, das auf ein absolutes Minimum reduziert werden soll. Kurz, die „Zwei-Staaten“-Position akzeptiert das sine qua non des Zionismus.

www.wsws.org/de/2002/mai2002/cmis-m23.shtml

 

Der von Zionisten wie “antizionistischen” Neturei-Karta-Juden gleichermaßen gehaßte Judaismus- und Zionismus-Aufklärer Prof. Israel Shahak hat in seinem Buch „Jüdische Geschichte, Jüdische Religion“ über (nichtjüdisch-)prozionistische “Israelkritiker”, zu denen auch Elsässer gehört, sich deutlich geäußert:

In unserem Kampf gegen den Rassismus und Fanatismus der jüdischen Religion werden unsere größten Feinde nicht nur die jüdischen Rassisten (und die Nutznießer des Rassismus) sein, sondern auch jene Nichtjuden, die in anderen Gegenden – fälschlicherweise, wie ich meine – als „Progressive“ bekannt sind.

 

Klarstellungen zur (von Elsässer gelobten) zionistischen “Frieden jetzt”-Bewegung in “Israel”:

Mit Hilfe der „Frieden jetzt“-Bewegung, einer Organisation liberaler Zionisten, die sowohl aus humanitären als auch aus pragmatischen Gründen gegen die expansionistische Politik Israels auftraten, definierte sich die Labour Party erneut als die Partei des Friedens. Das stellte jedoch keinen grundsätzlichen Bruch mit dem Zionismus dar. Es bot vielmehr die vernünftigste Lösung für den Konflikt vom Standpunkt der nationalen Interessen Israels. Keine Fraktion der Labour Party, der Gewerkschaften oder der „Frieden jetzt“-Bewegung gab eine politische Einschätzung des Zionismus, wessen Interessen er diente, und verwarf ihn.

www.wsws.org/de/2001/mai2001/zio3-m12.shtml

 

Die “israelische” Aktivistin Tikva Honig-Parnass, Antizionistin und Mitglied der marxistischen Gruppe Matzpen über den Charakter des Linkszionismus und die prozionistische Ausrichtung der KP “Israels”:

Es gab nie einen realen Bruch zwischen Links und Rechts über die zentralen Prämissen des Zionismus. Wie der Historiker Avi Shlaim betont, lag der einzige Unterschied zwischen Ben Gurion, dem Anführer der zionistischen Arbeiterbewegung, und Jabotinsky, dem Vorvater der rechten Herut und Likud, in der Sequenz der Stadien, die das Projekt eines exklusiv jüdischen Staates im gesamten Gebiet des historischen Palästina folgen sollte, um seine Ziele zu erreichen.

 

Bis heute hat die KP Israels die Idee von Israel als „jüdischem Staat“ nicht angegriffen. Sie konzentriert sich auf den Kampf für gleiche individuelle und Bürgerrechte für seine palästinensischen Einwohner, anstatt für gleiche nationale kollektive Rechte, die der zionistische Staat weder geben will noch geben kann.

 

Vor dem Hintergrund der Diskussion um einen Mohamed-Film wiederholt Jürgen Elsässer seine Schutzhüterfunktion nicht nur für “Israel” also das zionistische Regime in Palästina, sondern den Judaismus ganz allgemein:

Was würde wohl passieren, wenn ein ähnliches Machwerk gegen die jüdische Religion gemacht wird? Rabbis wird der Bart abgeschnitten – soll das lustig sein? Moses als randalierender Säufer? König Salomon als finsterer Despot? Vielleicht noch eine Prise aus den Protokollen? Da wäre sofort Schluss mit lustig, und das wäre auch gut sodie Schmähung der jüdischen Religion ist (zu Recht!) verboten.

http://juergenelsaesser.wordpress.com/2012/09/18/hetze-gegen-mohammed-und-gegen-christus/

 

Jürgen Elsässer spricht dem zionistischen Regime in Palästina ein “Selbstverteidigungsrecht” zu, lamentiert von einer “historischen Verantwortung” der Deutschen gegenüber selbiges und wünscht sich Kritiker des Judaismus vor den Kadi. Ist so jemand eine freiheitliche und patriotische Alternative zum herrschenden System?

 

Quelle: http://detlefnolde.wordpress.com/2012/04/13/juergen-elsaesser-pro-zionismus/


Rubrik: Interviews-Portraits
21.01.13
 von Detlef Nolde

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